Katastrophen in Anhalt

Katastrophen in Anhalt
Brand des Rathauses in Dessau im April 1910

In der Region Anhalt kam es in der Vergangenheit immer wieder zu schweren Katastrophen. Teilweise durch die Natur aber doch zum überwiegenden Teil durch den Menschen verursacht brachten diese Katastrophen Not und Unheil über die Anhalter.

Während die Natur in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen das Anhalter Land zwischen Elbe und Mulde unter Hochwasser setzt hat der Mensch immer wieder für größere Katastrophen gesorgt.

Die Explosionskatastrophe in der BAMAG-Dessau am 18.10.1918

Bei Beginn des 1. Weltkrieges 1914 wurde ein Teil (Werk II) in der Dessauer BAMAG (Berlin Anhaltische Maschinenbau AG) in die Kriegsproduktion einbezogen. In dem damals größten Maschinenbaubetrieb der Stadt Dessau, am Kabelweg, richtete man an der Süd/Ost Grenze des Werkgeländes eine Granatenfüllstation für Artilleriemunition ein. Das Pulver sowie die Granathülsen lieferten fremde Firmen. Im geringen Umfang wurden auch Granatkartuschen für die schwere Artillerie in der Gießerei des Betriebes gegossen und wenn nötig, in der Zerspannungswerkstatt mechanisch bearbeitet, um dann in der firmeneigenen Station komplettiert und gefüllt zu werden. Die Füllanlage arbeitete manuell. Sie beschäftigte ca. 400 Arbeiterinnen und Arbeiter. Die Produktion lief täglich in 2 Schichten mit je 12 Stunden Arbeitszeit Tag und Nacht. Die gesamte Füllstation konnte allerdings – man rechnete ja nicht mit einem langem Krieg – nur als Provisorium bezeichnet werden. Die Ausrüstung war relativ primitiv und die Sicherheitsmaßnahmen unzureichend auch die räumlichen Verhältnisse wurden in Folge der ständig höher geschraubten Ausstoßzahlen beängstigend unübersichtlich. Oft waren die Wege zugestellt, sodass die Beschäftigten sich über die Granathülsen erst einen Weg zum Arbeitsplatz bahnen mussten. Eine Katastrophe war also zu erwarten. Am 18. Oktober 1918 kurz nach 3:00 Uhr morgens explodierte mit einer furchtbaren Detonation die Station. Eisenteile, Behälter sowie menschliche Köper und Körperteile lagen im Umkreis von 100 Metern. Die Ursache des Unglücks ist nie bekannt gegeben worden. Der Anhaltische Staatsanzeiger vom 19. Oktober berichtete zwar, dass als Ursache der Explosion eine Selbstentzündung von Schmelzmasse im Schmelzkessel vermutet wurde. Das Blatt beteuerte jedoch mit der gleichen Berichterstattung: „Jedenfalls waren im Betrieb alle sichernden Maßnahmen getroffen und (es) war alles in bester Ordnung, wie noch vor wenigen Tagen bei einer Revision festgestellt wurde." Während der Schicht des Unglücks waren 207 Menschen in der Füllstation tätig. 56 Leichen meistenteils Frauen und Mädchen wurden geborgen und identifiziert. 84 Arbeiter und Arbeiterinnen waren – zum Teil sehr schwer – verletzt. 32 Menschen sind als „vermisst" registriert, da sie nie gefunden werden konnten. Nur 35 Schichtarbeiter der völlig zerstörten Granatfüllstation überlebten die Katastrophe als Beteiligte unverletzt. Die geborgenen Toten sowie gefundene Körperteile von den vermissten sind am 24. Oktober 1918 – also 16 Tage vor Kriegsende – in einem Massengrab im Nordwestareal des Dessauer Friedhofs III beigesetzt worden. Seitens der BAMAG hat das Grabmal einen Denkmalcharakter erhalten. Die Mitarbeiter der Gießerei des Betriebes haben – auch in der DDR – das Grabmal gepflegt und erhalten. Es befindet sich auch heute noch in einem beachtlich gut erhaltenen Zustand. Edgar Hauck, 2005

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Paul Greifzu tödlich verunglückt
Die Einweihung des Gedenksteins für den Rennfahrer Paul Greifzu in Dessau

Am 10. Mai 1952 kam der berühmte und beliebte Rennfahrer Paul Greifzu aus Suhl bei einer Trainingsfahrt zum 3. Dessauer Wagen- und Motorradrennen auf der Dessauer Autobahn tragisch ums Leben. Otto John und Höfling, seine beiden Monteure, die ihn vom Fahrerlager an der Autobahnbrücke aus beobachtet hatten, berichteten über den tragischen Unglücksfall: „Paul kommt, nachdem er die schnellste Runde des Tages, die Rekordrunde, gedreht hatte, mit einer Sicherheit ohnegleichen die Schlängelkurve vom Autobahnzubringer heruntergejagt, schießt in die breite Autobahnrekordstrecke hinein, schaltet hoch; auf einmal – er ist kaum 100 Meter in der Geraden – gibt es einen lauten Knall, Paul und sein Wagen sind in eine dichte weiße Qualmwolke gehüllt, man hört noch ein Krachen und Splittern, sehen aber man man überhaupt nichts. So schnell uns unsere Füße tragen, rennen wir zur Unfallstelle. Der Wagen steht mit :m Kühler zur Rennstrecke, äußerlich verhältnismäßig wenig beschädigt. – Unserem Paul – fassungslos, aufs tiefste erschüttert stehen wir vor ihm – können wir leider nicht mehr helfen.“ Ein Flieh- oder Gegengewicht (sie dienen zur Auswuchtung der Kurbelwelle), und zwar das mittlere, hatte sich von der Kurbelwelle durch das Reißen einer der beiden Halteschrauben gelöst und das Blockieren des Motors hervorgerufen. Der Zylinderblock bekam einen breit klaffenden Riß, und die nachschiebenden Kräfte des Wagens rissen zusätzlich noch das Getriebe an der Kupplung vom Motor ab. Durch die Zerstörung des :Zylinderblocks ergoß sich das Öl auf die stark erhitzten Auspuffrohre, so dass es zu der bereits erwähnten Qualmentwicklung kam, die Greifzu für einen Augenblick die Sicht genommen haben kann. Etwa 3,3 Sekunden nach m Blockieren landete der Wagen, wie die Unfallskizzen erkennen lassen, ungefähr 53 Meter weiter zunächst mit dem Kühler in der am Rande der Autobahn errichteten Sitzbankreihe aus starken Holzbohlen, wurde aber nochmals herumgeschleudert, zersplitterte dann auch noch mit dem Heck die Sitzbank und blieb stehen. Ob der Tod des AItmeisters bereits beim Blockieren oder erst bei der Karambolage mit den Sitzbänken eingetreten ist, konnte nicht genau ermittelt werden."Paul Greifzu verunglückte hier am 10. Mai 1952". Diese Inschrift auf dem Ehrenmal an der Unglücksstelle auf der Autobahnrekordstrecke bei Dessau wird das Andenken an Paul Greifzu als einen der Größten des deutschen Wagenrennsports ewig wachhalten, betonte sein schärfster Rivale im sportlichen Kampf, der westdeutsche Meister Toni Ulmen, Düsseldorf, als er bei der Weihe des Ehrenmals von seinem Sportfreund Abschied nahm. Links der Präsident der Sektion Motorsport in der DDR, Ebert von Frankenberg. Aus: Herbert Beyer; Paul Greifzu: Ein Leben für den Motorsport, Verlag Neues Leben, Berlin 1954

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Das Muldhochwasser bei Dessau 1954

Das Vorspiel: Auf einen laschen, fast schneelosen Winter folgte 1954 ein Sommer von solcher Scheußlichkeit, wie es sich die berühmten „ältesten Leute nicht erinnern konnten“. Abgesehen von einer kurzen, heißen Trockenperiode im Mai mussten die Öfen bis in den Juni hinein geheizt werden. Dann setzten andauernde Regenfälle von außerordentlicher Heftigkeit ein, namentlich in den Gebirgen. Darin liegt die Gefahr. Regen im Flachland, mag noch so andauernd und stark sein, bringt kein Hochwasser. Hier ist die Saugkraft des Bodens zu groß und das Gefälle zu gering. Das darauf folgende starke Anwachsen der Ströme und Flüsse führte im Inn- und Donaugebiet, in der Tschechoslowakei und in Sachsen zu wahren Überschwemmungskatastrophen. Auch für die Stadt Dessau ergaben sich ernste Gefahren von der Mulde her, die nur durch den Einsatz aller Kräfte unter umsichtiger Leitung abgewendet werden konnten. Als am Freitag, dem 9. Juli, die Vorwarnung über das Hochwasser kam, erregte das in der Einwohnerschaft keine sonderliche Aufregung. Die letzte große Flut lag fast 30 Jahre zurück, und an mittlere Hochwasser war an auch im Sommer gewöhnt. An Gefahr glaubte man zunächst nicht. Am Freitag, dem 9. Juli, bald nach Mitternacht traf die erste Meldung von der Zentrale der Wasserwirtschaft Mulde in Karl-Marx-Stadt ein. Für den Oberlauf wurde die Alarmstufe III ausgerufen, für Dessau 14 Uhr 40 Min. Alarmstufe I, am Sonnabend, dem 10. Juli, 9 Uhr, für das ganze Gebiet der Mulde Alarmstufe III. Am Freitag hatte die Mulde zur üblichen Messzeit um 8 Uhr in Dessau mit 89 (nach dem alten Pegel 11 unter Null) noch einen außergewöhnlich niedrigen Stand. In den nächsten 24 Stunden, bis Sonnabend 8 Uhr, stieg sie abermals um 150 cm. Die Ausuferung begann. Die Spitzenhöhe war noch nicht abzusehen. Nur das stand fest: Man musste auf alles gefasst sein. Die Einwohnerschaft der ganzen Stadt wurde durch Lautsprecherwagen zum Einsatz aufgerufen. Trotz des Regens und unzulänglicher Kleidung traten Tausende mit Hacken, Schaufeln und Spaten an und wurden auf die Gefahrenstellen verteilt. Außer Volkspolizei und Feuerwehr wurden mehr als 1600 Werktätige aus den Betrieben eingesetzt. Sonntag Nacht und Montag standen 7500 Menschen im Abwehrkampf. Zunächst galt es, die Stadt selber zu schützen. Es mussten Wälle in 7 km Länge erhöht und verstärkt, dahinter für den Notfall in der Stadt selbst eine zweite Verteidigungslinie vorbereitet werden. Die erste Dämmung wurde an der Schöppe zum Schutz der Leipziger Straße angelegt. Der Törtener Wall wurde in voller Länge von der Möster Höhe nahe der Kreuzung mit der Autobahn bis zum Stadion am Tannenheger durch Errichtung von Bohlenwänden mit Sandhinterschüttung und durch Aufbau am Hang, Schießstände, Meisenweg wurde hart gekämpft, um Durchbrüche zu verhindern. HauptgefahrensteIle war dort der Knickpunkt des Kreuzbergwalles bei der Stallmeisterbreite. Hierbei haben sich die Einwohner der Vogelsiedlung, auch Frauen, durch ununterbrochenen Einsatz bis zu 3 Tagen hervorgetan. Eine weitere Hauptkampfstätte war am Paul-König-Platz. Abgesehen von den allerniedrigsten UfersteIlen, liegt bei Dessau die Ausuferungshöhe der Mulde bei 400 über Nullpunkt. Bei dem schnellen Herankommen der Flut ging das Wasser schon am Sonnabend Mittag über. In der Nacht und am Sonntag stieg es rasend schnell weiter und erreichte am Montag, dem 12. Juli, nachmittags 14 Uhr 30 Min. den höchsten Stand des Muldpegels in der Hochwasserge- schichte der Stadt Dessau mit 582 bei einer Dammsicherungshöhe von 590. Dann trat nach dem Durchgang der letzten leichten Flutspitze Stillstand ein, der in der Nacht zum Dienstag in leichten Fall überging. Trotzdem wurde noch bis zum Mittwoch (14. Juli) mit allen Kräften an der Ufer- und Dammsicherung weiter gearbeitet. Die Gefahr für Dessau wäre noch viel größer gewesen, wenn nicht Dammrüche verschiedenen Ausmaßes in der Bitterfelder Gegend eine Entlastung für Dessau gebracht hätten. Ein merkwürdiger Zufall war es, dass der Höchststand am 12. Juli fast auf den Tag genau mit dem großen Muldhochwasser vor 100 Jahren, am 11. Juli 1854, zusammenfiel. Tragischer Tod zweier Helfer: Unter den vielen Hunderten, die sich bei nahender Gefahr sofort zu freiwiIligem Einsatz meldeten, waren auch zwei junge, zukunftsfrohe Männer: der 23 Jahre alte Friedrich Kolb und der 19 Jahre alte Horst Berbig. Als Motorradfahrer wurden sie beide im Meldedienst eingesetzt. In der Nacht vom Sonntag zum Montag war die Lage des gefährdeten Kraftwerks Vockerode ungeklärt, weil bei der Abdeckung der Muldbrücke das Fernsprechkabel zerstört worden und darum keine Verständigung möglich war. Die beiden wurden darum beauftragt, nach Vockerode zu fahren. Das war nur möglich auf dem Weg Hauptstraße 184 bis zur Anfahrt Dessau-Süd, Autobahn bis Vockerode. Auf der Rückfahrt stießen sie bei starkem Regen und völliger Dunkelheit auf einen Lkw und verunglückten tödlich. Quelle: Heese; Der Kampf um Dessau bei der Hochflut der Mulde im Juli 1954, Dessauer Hefte für Heimatgeschichte und Heimatkunde, Dessau 1955

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Die Jahrhundertflut vom August 2002

Hochwasser gehört für die Bewohner in Flusslandschaften seit Jahrhunderten zum Lebensrhythmus Für den Bereich Dessau kamen die Fluten entweder über die Mulde oder über die Elbe herangerollt. Nach den großen Hochwasserschäden 1954 und 1974 waren nur die normalen Frühjahrshochwasser im Zusammenhang mit der Schneeschmelze in den Mittelgebirgen zu verzeichnen gewesen. Aber im August 2002 übertraf der Hochwasserpegel erheblich die bisher erreichten Pegelstände der Flüsse. Ursache war eine recht seltene Großwetterlage, die Mitten im Sommer zu schweren Niederschlägen in den sächsischen und tschechischen Mittelgebirgen führte. Besonders gefährlich waren dabei die Sturzfluten der Nebenflüsse. An den Flüssen stiegen die Pegel in wenigen Tagen auf neue Rekordmarken. Menschen, Tiere, ganze Ortsteile und Brücken wurden mitgerissen. Die große Flutwelle kam relativ langsam über Sachen und Brandenburg nach Sachsen-Anhalt. So hatte man in Dessau einige Tage Zeit zur Vorbereitung im Gegensatz zu vielen sächsischen Gemeinden, die in wenigen Minuten oder Stunden ohne Vorwarnung überflutet wurden. Die Wassermassen von Elbe und Mulde erreichten am 14. August Sachsen-Anhalt. Die Menschen hatten in den Tagen zuvor die Bilder des zerstörten Grimma im Fernsehen gesehen. Wie wird die Flut uns treffen, wie können wir uns vorbereiten? Eine große Anspannung lag über allen Bewohnern. Alle wussten, das es durch die am Oberlauf von Elbe und Mulde gemessenen Pegel diesmal sehr kritisch werden würde. Bei Dessau treffen Mulde und Elbe zusammen. Zwei Flutwellen drohten sich zu vereinigen. Aber die Mulde erreichte schon am 15. August mit 6,25 Meter Ihren Höchststand und sank danach wieder langsam. Jetzt stieg die Elbe an und erreichet in den nächsten Tagen ihren Höchstpegel mit 7,16 Meter. Nun hielten die Dämme im Osten der Stadt nicht mehr. Für die Walderseer kam es besonders schlimm als der Damm am 18. August am Schwedenhaus brach und es zu einer Überschwemmung des ganzen Ortsteils kam. Zum Teil bis zu 2 Meter hoch stand das Wasser hier, 913 Häuser waren überflutet und allein die privaten Schäden beliefen sich auf über 150 Millionen Euro. Manches Haus musste noch ein oder zwei Jahre später abgerissen werden. Neben dem Wasser gab es zunehmend Probleme mit austretendem Heizöl aus den den Tank der Privathäuser. Äußerst kritisch wurde die Situation am Elbbogen, wo auf dem Deich am Kornhaus ein ungeheurer Druck lastete. Dieser weichte mehr und mehr auf und so mussten kurzfristig alle zivilen Helfer von diesem Abschnitt zurückgezogen werden und die Bundeswehr rettet den Deich mit einem massiven Aufgebot von Soldaten und Technik. Die Innenstadt von Dessau aber blieb verschont. Das Wörlitzer Gartenreich kam glimpflich davon. Auch wenn die Schäden an der Parklandschaft in die Millionen gehen, verschonten die Wassermassen die einzigartigen Lustschlösser. Die große Katastrophe bleibt vielen erspart. Das einströmende Wasser traf nicht nur in Dessau auf Dämme, die mangels Wartung und auch Erneuerung diesem Ansturm nicht gewachsen waren. So kam es zu vielen Damm- brüchen, von denen einige stromaufwärts auch zu einer Entlastung der Pegelstände bei Dessau beitrugen. Am 13. September konnte für Dessau der Katastrophenalarm aufgehoben werden. Die Beseitigung der Schäden sollte sich über mehr als zwei Jahre erstrecken. Erwähnt werden muss aber auch, das aus ganz Deutschland Feuerwehren, Technisches Hilfswerk und auch unzählige Privatpersonen in das Hochwassergebiet eilten, um uneigennützig zu helfen. Nach diesem Katastrophenfall wurden in den betroffenen Bundesländern große Anstrengen unternommen, um die Deichsanierung, den Neubau sowie den Rückbau der Deiche zur Schaffung großer natürlicher Überflutungsflächen in Angriff zu nehmen. Auch in der Organisation des staatlichen Hochwasser- und Katastrophenschutzes wurden umfassende Veränderungen eingeleitet. Geblieben sind für die Menschen aber auch die Erfahrungen der Solidarität und, ganz nebenbei, hoffentlich ein erweiterter geographischer Blick. Viele werden zum ersten Mal gehört haben, welche Schätze in Sachsen-Anhalt den Touristen erwarten. Die Flut bedrohte gleich drei Mal "Weltkulturerbe": Das Bauhaus in Dessau, die Luthergedenkstätten in Wittenberg und das Dessau-Wörlitzer Gartenreich. Sie alle haben ihren Kampf gegen die Flut gewonnen. In einer nationalen Kraftanstrengung, unter massivem Einsatz freiwilliger Helfer und 6,5 Milliarden Euro aus staatlicher Aufbauhilfe und einem großem Spendenaufkommen konnten die Schäden des Jahrhunderthochwassers behoben werden.

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Der Dessauer Rathausbrand von 1910
Brand des Rathauses in Dessau im April 1910

Zehn Jahre nach dem Neubau des Dessauer Rathauses brach am Abend des 2.April 1910 ein Feuer aus welches große Teile des Gebäudes zerstörte. Wir zitieren einen zeitgemäßen Bericht: Sonnabend abend, gegen 1/2 11 Uhr, soll das erste Anzeichen des Feuers, ein flackernder Schein in dem Boden des Ostflügels des Gebäudes (Schloßstraße) bemerkt worden sein. Während die Feuerwehr alarmiert wurde, bemühte sich die Polizeiwache, die Flammen zu löschen. Es gelang ihr aber nicht, namentlich aus dem Grund, weil durch die Länge der Wasserleitung bis zur Höhe des Brandortes das Wasser nur geringen Druck abgab. Wenige Minuten nach 11 traf die Feuerwehr ein. Die Flammen schlugen da bereits bis zum Dachstuhl des Ostflügels heraus. Man erkannte sofort, daß sich die Löschung des Brandes sehr schwierig gestalten würde. Ein starker Ostwind begünstigte die Ausbreitung des Feuers ungemein. Außerdem kam in Betracht, daß zwischen den einzelnen Flügeln keine Brandmauern vorhanden sind, sondern lange Bogenräume durch- und hinüber laufen. Das Holz dieser Räume war durch die Zentralheizung ausgetrocknet, so daß sich das Feuer mit Blitzesschnelle verbreitete. Ein Löschen im Inneren des Rathauses machte die furchtbare Hitze unmöglich. So mußte man sich auf das Vorgehen von außen beschränken. Die Hydranten in den Korridoren des Rathauses kamen zur Löschung nicht in Betracht, da sie nur zur Unterdrückung kleiner entstehender Brände angelegt sind und für das Großfeuer zu geringen Wasserstrahl abgaben. Der starke Wind trieb die Flammen zunächst dem Nordflügel zu, in welchem sich der Gemeinderatssitzungssaal befand. Trotz der anstrengenden Tätigkeit der Wehr griff das Feuer weiter um sich. Ein ebenso schmerzliches wie grandioses Schauspiel zeigte sich dem Auge. Lichterloh schlugen die Flammen zu dem Nachthimmel empor und färbten ihn dunkelrot. Klirrend zersprangen die Fensterscheiben, und die Türmchen und architektonischen Schmuckstücke des schönen Renaissancebaues stürzten krachend zu Boden. Die züngelnden Flammen vollführten mit unheimlicher Geschwindigkeit ihr Vernichtungswerk. Gegen 12 Uhr erreichte das Feuer den großen Giebel der Vorderfront. Er bog und senkte sich und stürzte auf die Straße . Die Spitze des Giebels flog nach innen auf den Dachboden. Von der Gewalt erschüttert, durchbrach dieser und fiel in den Gemeinderatssitzungssaal, der nun ebenfalls Feuer fing. Hell beleuchteten die Flammen die prächtigen kunstvollen Glasfenster, bis auch sie zersprangen und auf die Straße klirrten. In dem mit Holz getäfelten und mit Schnitzereien reich versehenen Sitzungssaal fand das Feuer ebenfalls reiche Nahrung. An die Rettung des herrlichen Saales war nicht zu denken; er brannte vollständig aus. Die ganze Inneneinrichtung im Werte von 90 000 Mark wurde vernichtet, darunter die zwei großen Wandgemälde von Professor Skarbina-Berlin, von denen das eine den Einzug des Fürsten Leopold in Dessau nach dem spanischen Erfolgskriege , das andere die Enthüllung des Jubeldenkmals auf dem Kleinen Markt darstellte. Zum Glück hielt der Fußboden des Gemeindesitzungssaales den auf ihn gestürzten Schuttmassen stand. So blieb das zweite Stockwerk vom Feuer verschont. Vom Nordflügel verbreitete sich später das Feuer nach Westen. Der ganze Dachstuhl des Rathauses und die Räume des Obergeschosses brannten vollständig ab...," die darunterliegenden Räume erlitten Wasserschäden. Nur der Turm ragte unerschüttert aus dem Flammenmeer empor und bot dann, wenn auch rauch-geschwärzt, einen um so mächtigeren Anblick über dem rauchgeschwärzten Dach. Der entstandene Schaden ging weit über die Versicherungssumme hinaus. Der kulturelle Verlust war unersetzbar, lagerten doch auf dem Boden tausende Aktenstücken, alte Stadtrechnungen und sonstiges Archivmaterial bis in die Zeiten des Dreißigjährigen Krieges sowie die Bauzeichnungen des Rathauses. Bereits am 4. April beschloß der Gemeinderat im Ratsstübchen des Ratskellers den Wiederaufbau, der der Baufirma Reinhardt & Süssenguth übertragen würde, die schon den Neubau ausgeführt hatte. Die vom Feuer verschonten Untergeschosse konnten von der Verwaltung bald wieder benutzt werden, andere Amtsstellen wurden in Behelfsräumen untergebracht. Ab 3. Mai 1912 stand der in alter Form hergerichtete Sitzungssaal dem Gemeinderat wieder zur Verfügung. Hatte der Bau des neuen Rathauses etwa 1 1/4 Million Mark gekostet, so waren für Wiederherstellungsarbeiten nebst den notwendigen Verbesserungen und Ausbauten 31

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Der Einsturz der Saalebrücke in Nienburg 1825

Nienburg an der Saale entstand im frühen 19. Jhd. die erste Brücke Deutschlands, die dem Typ `Schrägseilbrücke´ zugeordnet werden kann. Tragischerweise stand sie nur vier Monate nach ihrer Eröffnung im Mittelpunkt einer der größten Katastrophen in der Geschichte des Brückenbaus. Christian Gottfried Heinrich Bandhauer Das Städtchen Nienburg gehörte im Jahre 1825 zum Herzogtum Anhalt-Köthen, dessen Regent zu dieser Zeit Herzog Ferdinand war. Nienburg hatte es durch die Lage an der Saale zu einem bescheidenen Wohlstand gebracht, weil die größtenteils landwirtschaftlichen Erzeugnisse der Umgebung in Nienburg von Fuhrwerken auf Schiffe umgeschlagen, und dann meist Richtung Hamburg weiter transportiert wurden. Eine einfache, schon bald stark überlastete Seilfähre, ermöglichte dem regen Verkehrstreiben die Überfahrt über die Saale. Allerdings machte sich das Fehlen einer Brücke bei Hochwasser, Sturm oder Eisgang, immer mehr negativ bemerkbar. Für alle Bauten des Herzogtums war um diese Zeit der Baurat Christian Gottfried Heinrich Bandhauer (1790-1837) zuständig. Die erste Schrägseilbrücke in Deutschland Bandhauer informierte sich so gut wie möglich über die ausländischen Erfahrungen und legte der Nienburger Bürgerschaft im Januar 1824 einen Plan für eine Kettenbrücke vor, die mit geschätzten Baukosten von 4.000 Talern nicht nur sehr preiswert erschien, sondern auch auf gewisse Wirtschaftsinteressen der Nienburger Geschäftsleute Rücksicht nahm. Wie schon erwähnt kreuzte der zunehmende Schiffsverkehr auf der Saale die Route der Nienburger Fähre, wobei für jedes Schiff das Fährseil abgelassen werden musste. Für diese Dienstleistung war eine Abgabe zu entrichten, die von der Stadt Nienburg vereinnahmt werden durfte. So wichtig und willkommen der Brückenbau auch war, so ungern wollte man jedoch auf diese Einnahmen verzichten. Dieser wirtschaftliche Aspekt könnte einer der Gründe dafür gewesen sein, warum Bandhauer nicht den gleichen Typ Hängebrücke plante, wie er in England erfolgreich gebaut worden war. Anstatt eine Brücke zu projektieren, die hoch genug war, um Schiffe mit stehenden Masten passieren zu lassen, baute er nun die erste dokumentierte Schrägseilbrücke -oder besser gesagt "Schrägkettenbrücke"- in Deutschland. Bandhauers Brücke bestand aus zwei völlig unabhängig voneinander stehenden Hälften, deren Tragwerksenden sich über dem Fluss in einem Abstand von ca. 3,50m gegenüber standen. Die Lücke wurde durch zwei Klappen verschlossen, sodass im Normalbetrieb eine durchgehende Fahrbahn vorhanden war. Wenn nun ein Schiff mit Segelmast die Brücke passieren wollte, wurden die Klappen geöffnet (wofür natürlich die Abgabe fällig war) und das Schiff konnte durch die geöffnete Brücke gleiten, egal wie hoch sein Mast war. Bei einer herkömmlichen Hängebrücke hätte Bandhauer an dieser Stelle auf jeden Fall ein Problem mit den Ketten bekommen, die ja in der Mitte der Brücke am tiefsten hängen. Schwierigkeiten während der Bauausführung Die Tragwerkshälften waren mit jeweils fünf schrägen Kettenpaaren (insgesamt also 20 Ketten für die ganze Brücke) von den beiden Doppel-Pylonen abgehängt, wobei der Angriffspunkt jeder Kette um ein Stück nach vorne versetzt war. Jeder Pylon bestand aus zwei hölzernen Einzelmasten, die eine Höhe von ca. 12 m über der Fahrbahn hatten. Auf der Rückseite war die Last nur durch drei Ketten pro Mast rückverankert. Die ganze Konstruktion ähnelt auf verblüffende Weise den ersten Entwürfen für Schrägseilbrücken, die der Franzose Claude Navier im Jahre 1823 veröffentlicht hatte. Es ist möglich, aber wohl doch eher unwahrscheinlich, dass Bandhauer diese Theorien bekannt waren, denn Prof. Dietlein von der Bauakademie in Berlin gab die Arbeiten Naviers erstmals 1825 in einer deutschen Kurzfassung heraus. Am 24. März 1824 begannen die Bauarbeiten an der Nienburger Brücke, die eigentlich noch im selben Jahr abgeschlossen werden sollten. Es lief aber nicht alles so glatt wie Bandhauer es sich vorgestellt hatte, denn es kam zu verschiedensten Problemen und Verzögerungen. Die meisten Schwierigkeiten machten die Ketten, weil das gelieferte Material nicht immer den gestellten Anforderungen entsprach. Die "Ketten" bestanden eigentlich aus langen Eisenstangen, die mit einer eigens entwickelten Verbindungsvorrichtung versehen waren. Bandhauer stellte fest, dass viele der Eisenstangen Risse hatten, die von der beauftragten Hütte zur Tarnung der Mängel offensichtlich mit schwarzer Ölfarbe angestrichen wurden. Daraufhin unterzog er jedes einzelne Stück einer Prüfung, die von 40% des Materials nicht bestanden wurde. Die mangelhaften Eisenstäbe mussten dann in einer fünf Stunden entfernten Schmiede so weit instand gesetzt werden, dass sie für den Brückenbau verwendbar waren. Diese Maßnahmen zur Qualitätssicherung der Ketten kosteten unglaublich viel Zeit - und Geld. In der Zwischenzeit war nämlich auch das längst gelieferte Holz für das Tragwerk teilweise vermodert, teilweise gestohlen worden. Die Folge war, dass der Bau nicht vor dem Winter beendet werden konnte und die bereits montierten Ketten und Planken wieder abgenommen werden mussten. Das Unglück am Nikolausabend des Jahres 1825 Natürlich fand an diesem Tage eine feierliche Einweihungszeremonie unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und offizieller Vertreter des Herzogtums statt. Nur der Herzog selbst und seine Frau, Gräfin Julie von Brandenburg, befanden sich zu dieser Zeit im Ausland und fehlten daher bei den Feierlichkeiten. Da kam es den Nienburgern sehr gelegen, dass sich ihr Landesherr für den 6. Dezember zur Hasenjagd angemeldet hatte und man wollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, um sich angemessen für den Bau der Brücke zu bedanken. Der ursprüngliche Plan, die Brücke nach Einbruch der Dunkelheit mit einer Art Feuerwerk zu illuminieren, konnte -auch wegen der ablehnenden Haltung Bandhauers- nicht ausgeführt werden. Nach erfolgreicher Hasenjagd kam bei der anschließenden Festveranstaltung wohl eher spontan der Gedanke auf, man könne die Brücke ja zumindest durch einen Fackelzug beleuchten. Obwohl der Herzog mit seiner Frau das Fest bereits verlassen hatte, traf dieser Vorschlag auf breite Zustimmung. Es waren mehrere Hundert Personen anwesend, nicht nur aus Nienburg, sondern auch aus der Umgebung. Die Nachricht, dass es in Nienburg am Abend vielleicht ein Feuerwerk geben würde, hatte sich schnell herumgesprochen. Die Musikkapelle setzte sich in Bewegung, stimmte ein patriotisches Lied an und die meisten der Teilnehmer folgten der Kapelle auf die Brücke, viele von ihnen mit brennenden Fackeln. Dann kam es durch das Zusammenwirken mehrerer unglücklicher Umstände, zu einer der größten Tragödien in der Geschichte des Brückenbaus. Anstatt einfach mit der ganzen Menschenmenge über die Brücke zu marschieren, machte die Kapelle mitten auf dem Bauwerk halt, um dem im nahe gelegenen Schloss untergebrachten Herzog ein Ständchen zu bringen. Die nachströmenden Teilnehmer des Zuges wollten alle möglichst nah am Geschehen sein und drängten sich dicht um die Kapelle. Weil nicht genug Platz auf der Brücke war, stiegen einige sogar auf die Barrieren, so dass sich immer mehr Menschen auf der linken Brückenhälfte befanden. Schließlich waren es wohl etwa 250 Personen, die zu einer sehr ungleichen Belastung der Brücke führten. Hinzu kam noch, dass die meisten versuchten, in Richtung auf das Schloss zu blicken, um zu sehen, ob das Herzogpaar von den Geschehnissen auf der Brücke und den Huldigungen der Untertanen Notiz nahm. Dadurch wurde nicht nur der einen Brückenhälfte ein sehr großes Gewicht aufgebürdet, sondern sie wurde auch in Längsrichtung sehr ungleichmäßig belastet. Zu allem Überfluss versuchten einige jugendliche Teilnehmer auch noch, das Brückendeck durch rhythmische Bewegungen in eine schaukelnde Bewegung zu versetzen und mit dem Takt der Musik zu schwingen. Die Ketten können der Belastung nicht standhalten Schließlich rissen auf der heillos überlasteten Brückenseite die drei Rückverankerungsketten, weil sie in diesem Moment der schwächste Punkt der Konstruktion waren. Nur Sekundenbruchteile später rissen auch die drei Ketten der zweiten Säule und das gesamte linke Portal fiel auf das Tragwerk, das praktisch im gleichen Moment mitsamt der Kapelle und vielen Feiernden in die Saale stürzte. Die andere Brückenhälfte blieb dabei völlig unversehrt. Das Wasser war Anfang Dezember natürlich sehr kalt und auch die Dunkelheit erschwerte die anlaufenden Rettungsaktionen erheblich. Letzten Endes waren 55 Tote zu beklagen, die teilweise erst Monate später stromabwärts gefunden wurden. Aber noch größer war die Zahl der Verletzten und man holte sofort alle verfügbaren Ärzte der Umgebung zur Unglücksstelle. In den nächsten Tagen fanden zahlreiche Beerdigungen in Nienburg statt, allein am 9.Dezember gab es insgesamt 16 Bestattungen. Die Nachricht von der Katastrophe verbreitete sich weit über die Grenzen Deutschlands hinaus und dürfte auch in Fachkreisen große Aufmerksamkeit erregt haben. Die Öffentlichkeit gab sehr schnell dem Erbauer der Brücke die Schuld an dem Unglück und Bandhauer versuchte sich mit der Schrift "Verhandlungen über die artistische Untersuchung des Baues der Hängebrücke über die Saale bei Mönchen-Nienburg" zu verteidigen. Deren Veröffentlichung wurde allerdings vom Herzog vorläufig untersagt, weil zu diesem Zeitpunkt die Umstände der Katastrophe und die Schuldfrage noch nicht abschließend geklärt waren. Es wurde eine Kommission zur Klärung der Ursachen eingesetzt, die im Oktober 1827 zu dem Ergebnis kam, Bandhauer hätte eine so unvernünftige Belastung seiner Brücke nicht vorhersehen können. Bei der Untersuchung wurden allerdings weitere Qualitätsmängel bei den zerborstenen Ketten festgestellt, die das Hüttenwerk Rübeland aus dem Herzogtum Braunschweig geliefert hatte. Bandhauer wurde daraufhin im Juni 1829 von jeglicher Schuld freigesprochen, öffentlich rehabilitiert und konnte weiter als Baumeister für den Herzog arbeiten.

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Der Dessauer Theaterbrand am 25. Januar 1922

Ein furchtbares Unglück ist über die Stadt Dessau, ja, über ganz Anhalt hereingebrochen. In wenigen Stunden ist das Dessauer Theater mit seinen großen Schätzen an Dekorationen, kostbaren Kostümen, worunter sich manch historisch echtes und interessantes Stück, das der Schmuck eines Kulturmuseum hätte sein können, befand, an wertvollen, reichhaltigen Requisiten und an reichem und stilvollem Bühnenmobiliar am hellen Tage in einer riesigen Flammensäule aufgegangen und zu Schutt und Asche geworden. Das Feuer brach um die Mittagstunde gegen 12 Uhr während einer Probe von "Robert und Bertram" im Bühnenraume infolge eines Kurzschluß aus und verbreitete sich mit rasender Schnelligkeit über die angrenzenden Räume. Die Theaterrequisiten boten ihm die beste Nahrung. Zahlreiche Mitglieder des Friedrich-Theaters wurden von dem Brande überrascht und konnten nur mit Mühe und Not das Freie gewinnen. Wenig später ist das Theater vollständig vom Feuer ergriffen und die Flammen drohen auch auf die Nachbargebäude überzugreifen. Durch den Straßenüberbrückungsbau an der Südseite, in dem Requisiten und Dekorationsstücke aufbewahrt wurden, bahnte es sich, wie durch einen Kamin, einen gang nach dem gegenüber- liegenden, erst ganz neu errichteten Kammerspielsaal in der früheren Zentralhalle, auch diesen zerstörend. Die Löscharbeiten wurden durch den starken Frost und dem damit verbundenen Vereisen der städtischen Hydranten stark behindert. Während sich einige Mitarbeiter verletzt retten können, bzw. geborgen werden, sind doch zwei Todesopfer zu beklagen. Die bekannten und beliebten Schauspielerin Lily Herking, versank ohnmächtig auf dem Treppenabsatz vom 2. zum 3. Stock in den Flammen. Der schwer verletzte Theaterdirektor Meyer konnte sie nicht mehr aus den Flammen retten. Später wurde auch noch die verkohlte Leiche des jungen Friseurgehilfen Ernst Kirkamm auf der vom Schnürboden herabführenden Treppe gefunden. Quelle: Hundertvierzig Jahre Theater in Dessau, Dünnhaupt Verlag Dessau, 1938 Das alte Theater wird nicht wieder aufgebaut. In der Sommerspielzeit 1922 gastiert man im Saal des Kristallpalast und am 1. Februar 1923 kann ein Interimstheater in der ehemaligen Reitbahn an der Muldstraße eröffnet werden. Fünfzehn Jahre später gibt es hier am 14. Mai 1938 die letzte Vorstellung. Am 29. Mai 1938 eröffnet das neue große Haus mit Webers Oper "Der Freischütz" im Beisein fast der gesamten Führung der NSDAP, welche eigens dazu aus Berlin angereist war.

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Der Angriff auf Dessau am 7. März 1945
Dessau im März 1945 - zerstörte Innenstadt mit Blick zum Rathaus

Der endgültige Entscheid, Dessau in der Nacht des 7. März 1945 anzugreifen, fiel in den Morgenstunden des 7. März. Um 10.40 Uhr lief bei den Kommandeuren der 1., 3., 6. und 8. Bomber Group der Vorbefehl ein, sich auf einen Nachtangriff auf Dessau vorzubereiten.

Gegen 2.45 Uhr ging der Bericht eines Wetteraufklärungsflugzeuges in Umlauf, der für die Nacht klare Sichtverhältnisse über Dessau als wahrscheinlich unterstellte. Um 14.30 Uhr wurden die Besatzungen der Bomber Group zusammengefasst und über das nächtliche Angriffsziel in Kenntnis gesetzt. Zugleich begann die Beladung und Betankung der Flugzeuge. Jedes Flugzeug wurde für den acht- bis neunstündigen Flug mit 2154 Gallonen (9.788 Liter) Treibstoff betankt und die Bombenzuladung bis ins einzelne geregelt.

Der Befehlshaber der 6. Bomber Group, Vizeluftmarschall C.M. McEwen, ordnete an, 50 Prozent der zum Einsatz gelangenden Lancaster III und X mit je einer 4.000 Ib – Minenbombe und sieben Brandbombenbehältern mit je 106 bis 110 Stabbrandbomben, die restlichen 50 Prozent mit je einer 1000 lb Sprengbombe, aber 14 Brandbombenbehälter von je 106 bis 110 Stabbrandbomben zu beladen. Für den Start gegen Dessau wurden 525 Bombenflugzeuge zusammengezogen, 520 Lancaster und 6 Mosquitos.

Zwischen 16.45 und 17.15 Uhr erhoben sich von den ostenglischen Flugplätzen Hunderte von Bombenflugzeugen. Die für Dessau bestimmten nahmen Kurs auf das westlich von London gelegene Reading, dem Sammelpunkt. Um dann in südlicher Richtung den Kanal zu überfliegen, bei Dieppe dos europäische Festland zu erreichen und nach einer scharfen Ostwende südlich Lilie und Brüssel zwischen Köln und Düsseldorf den Rhein und damit zugleich auch die Frontlinie zu überqueren. Kurz bevor der Bomberstrom Brüssel südlich passierte legten zwischen 19.25 und 1.40 Uhr drei Stirling-Bomber und 12 Halifax der 171. und 199. Squadron der 100. Bomber Group vor der Rheinlinie zwischen Düsseldorf und Koblenz, eine sogenannte Mandrel Screen. Dies war eine funkelektronische Störwand, die das Entdecken des Bomberstroms durch die deutschen Frühradarerfassung verhindern oder zumindest erschweren sollte. Doch trotz dieses Störvorhanges wurde der Bomberstrom um 19.28 Uhr von der Luftverteidigung aufgefasst. Die Luftflotte Reich beorderte daraufhin das Nachtgeschwader 4 zum Funkfeuer "Silberfuchs", östlich von Köln, da es einen Luftangriff auf das Ruhrgebiet erwartete.

Als Zielpunkt war in den britischen Befehlen angegeben: 800 Yards 093 Grad von SHAD A . Das bedeutete, nach allem was wir wissen, der Museumsturm von Dessau, er sich auch aus großer Höhe weithin sichtbar abhob. Masterbomber des Angriffs auf Dessau war Major P.M. Mellor. Ein überaus erfahrener und langgedienter Pilot des Bomber Command. Mellor war mit seiner Lancaster 1/1 lM 524/G um 17.31 Uhr von Downham Market gestartet. Um 21.52 Uhr befahl Mellor den Beleuchtern das Zielgebiet durch weiße Leuchtbomben aufzuhellen, die Blindmarkierer sollten zugleich den Zielpunkt mit grünen Zielmarkierungsbomben belegen.

Doch die Wende Im Luftbombardement Dessaus trat gegen 22.04 Uhr ein, als die Wolkendecke über Dessau aufriß und im Licht der Leuchtbomben und der auflohenden Brände in der Stadt für die meisten Besatzungen sowohl der Flußverlauf der Elbe als auch der Zielpunkt optisch wahrnehmbar wurden. Nunmehr konzentrierte sich der Bombenabwurf und damit multiplizierte sich die Zerstörungswirkung. Im Bericht der 1. Bomber Group hieß es: "Um 22.04 Uhr entstand eine große freie Fläche in der Wolkendecke und die Besatzungen konnten deutlich die Schleife der Elbe und das bebaute Gebiet ausmachen. Die grünen und roten Zielmarkierungsbomben wurden brennend in der Nähe des Zielpunktes gesehen. Die ganze Stadt war mit Bränden gemustert und mehrere gute Feuer waren im Entstehen. Mehrere große Explosionen wurden beobachtet. Besonders eine um 22.11 Uhr, die einen orangefarbenen Schimmer besaß." Ein Flugzeug, dass die Stadt wegen eines Navigationsfehlers erst um 22.40 Uhr bombardierte, berichtete, dass drei große Flächenbrände, im östlichen, südlichen und westlichen Teil der Stadt erkennbar waren, die eine schwarze Rauchwolke bis zu 8.000 Fuß Höhe erzeugten.

Über Dessau fielen nach den Unterlagen des Bomber Command in der Nacht des 7. März 1945 1.693 Tonnen Bomben, davon 744 Tonnen Spreng- und 949 Tonnen Brandbomben.

Hatten die Bombergruppen über Dessau den Gipfelpunkt ihrer Höhe erreicht, so gingen sie bei ihrem Rückflug in Richtung Eisenach von annähernd 7.000 Meter auf 4.000 Meter hinunter, wobei sie gleichzeitig ihre Geschwindigkeit von etwa 290 Stundenkilometer nach Abwurf der Bombenlast auf fast 400 Stundenkilometer beschleunigten. Ziel dieses Manövers war es, mögliche Verfolger abzuschütteln. Im Raum Eisenach erfolgte überdies eine scharfe Südkehre in Richtung Freudenstadt, wobei die Bombenflugzeuge nun wiederum in Nähe der Front auf 5.000 bis 6.000 Meter Höhe stiegen. Im Raum Freiburg wurde der Rhein überflogen und Frankreich in einem weiten Bogen über Chaumont – östlich Paris – erneut im Raum Dieppe passiert. Der Kontinent wurde noch in 5.000 Meter Höhe, bei einer Geschwindigkeit von nur 250 Stundenkilometers, passiert, die englische Küste schon in 2.000 Meter überquert. Die Landungen erfolgten zwischen 01.45 und 03.00 Uhr.

Am 9. März 1945 flog eine Mosquito gegen 13.15 Uhr die erste Luftbildaufklärung nach dem Angriff über Dessau. Obwohl der Auswertungsbericht vom 10. März 1945 den Eindruck suggerieren wollte, der Hauptschlag des 7. März habe den Junkers-Werken gegolten, die durch den Angriff total zerstört worden wären, gab ein detaillierter Bericht vom 1. April 1945 präzise Auskunft über die tatsächlich angerichtete Zerstörung Dessaus. Er räumte ein, dass sowohl die Junkers-Werke wie auch der Eisenbahnverkehr durch den Angriff nicht wesentlich in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Dafür um so stärker die Innenstadt. Wörtlich hieß es: "Das Geschäfts- und Regierungsviertel ist am schwersten durch den Angriff betroffen worden. Entlang der Kavalierstraße, die die Hauptstraße vom Süden in die Innenstadt darstellt, gibt es kaum mehr als ein Halb Dutzend Häuser, deren Dächer intakt geblieben sind. Besonders im südlichen Teil der Stadt ist die Zerstörung vollständig. Das Zentrum um die Muldebrücke ist ausgelöscht. Das Rathaus ist ausgebrannt, die Regierungsgebäude schwer beschädigt. Das Fürstenschloß, an den Ufern der Mulde im 16. Jahrhundert errichtet, ist nunmehr weitgehend niedergebrannt."

Quelle: Einsatz 1027 - Der Luftangriff auf Dessau

Quellennachweis
39) Bernhard Hein: übernommene Inhalte der Seite Dessau-Geschichte bis 2009 - 2009
197) Olaf Groehler: Einsatz 1027 - Der Luftangriff auf Dessau - 1986

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