Die alten Gebiete

Alte Gebiete unter der Herrschaft Anhalt

Die Zersplitterung der deutschen Kleinstaaten im 18. und 19. Jahrhundert führte auch zu unzähligen Enklaven in den angrenzenden Staaten. Ursache waren meist komplizierte Erbauseinandersetzungen, Mitgiften oder Verkäufe.

Askania Nova - Das Paradies in der Steppe

Mitte des 18. Jahrhunderts beschloß die russische Kaiserin Katharina II, die dünnbesiedelten Gebiete Südrusslands durch ausländische Kolonisten besiedeln zu lassen. Insbesondere sollten Bauern und Handwerker ins Land geholt werden. Die Werber zogen quer durch Deutschland, Frankreich, Holland und machten die Sache durch ein kaiserliches Privilegium schmackhaft. Mit auf die Reise in den Osten machte sich auch der junge Soldat Johann Fein aus dem Badischen. Er hatte nach dem 7-jährigen Krieg im Zorn einen Offizier niedergestochen und mußte fliehen. Er kam um 1769 nach Südrußland und baute hier nach großen Anfangsschwierigkeiten südlich von Elisabethfeld eine kleine Kolonie auf. Sein Sohn Friedrich sollte später noch eine wichtige Rolle spielen. Im Herbst 1826 schrieb der Köthener Herzog Ferdinand an den russischen Geschäftsträger in Leipzig, daß man nicht abgeneigt sei, in Rußland eine Kolonie für die Schafzucht zu errichten. Wahrscheinlich hatte Herzog Ferdinand von den Plänen des Petersburger Kabinetts erfahren, die zur gleichen Zeit sich um die Einfuhr veredelter Schafrassen in Deutschland bemühten. Man wurde sich schnell einig und Herzog Ferdinand wandte sich direkt an den Zaren Nicolaus. Im Herbst 1827 machte sich eine kleine Delegation auf die Reise um die angebotenen Landstriche im Süden Rußlands zu besichtigen. Sie bekamen die sog. Steppe 71 gezeigt, ein riesiges Gebiet mit einer Fläche von 50000 Desjantinen. Man wurde sich schnell handelseinig und wegen des kargen Bodens bekamen die Köthener rund 48000 Desjantinen geschenkt. Dazu kam noch ein "kleines Stück Steppe" am Schwarzen Meer hinzu von etwa 6000 Desjantinen. Am 3. März 1828 erließ der Zar hierüber einen Ukas. Zur Finanzierung für das eigentlich finanziell schlecht gestellte kleine Herzogtum Anhalt-Köthen wurden verschiedene Quellen herangezogen. Einmal bestand ein Kapital von 54500 Thalern aus dem Besitz der ehemaligen Zarin Katharina II. Dieser Betrag wurde später dem Herzoghaus für die Erhaltung von Askania Nova vom Zaren geschenkt. Weiterhin sollten die Einkünfte der Güter Genz und Roßlau zunächst auf 10 Jahre im Voraus verpfändet werden. Ende August 1829 war der Abreisetag von 25 Auswanderern, 15 Männer, 4 Frauen und 6 Kindern. Mit auf den Weg machten sich 2886 Schafe, 2 Stiere, 6 Kühe und 8 Pferde. Der Anfang war sehr scher da man keine Erfahrungen mit der Steppe hatte und auf die langen Dürrezeiten und schweren Winterfröste nicht genügend vorbereitet war. Das ganze Unternehmen wurde zu einem finanziellen Desaster, hatte sich der Herzog doch eine Aufbesserung der klammen Kassen in Köthen erhofft. Nun mußte ständig Geld nachgeschossen werden. Die Verwalter wurden häufig ausgewechselt aber auch das half nicht. Askania Nova wurde keine blühende Landschaft sondern beschwerte dem Herzoghaus schwere finanzielle Verluste. Man hatte sich einfach an der Größe der Aufgaben übernommen. Hinzukam erschwerend, daß nach dem Tod des Herzogs Heinrich an die Erben der halbe Wert der Kolonie ausgezahlt werden sollte. Dies konnte aber nur durch einen Verkauf finanziert werden. Das Herzoghaus entschloß sich daher zum Verkauf der Kolonie. Für 550000 Thaler Preußisch Courant und 200 Pferde nach eigener Wahl wurde am 16. August 1856 die gesamte Kolonie an den Sohn eines der ersten Kolonisten in diesem Gebiet verkauft. Es war Friedrich Fein. Der Vertrag wurde am 6. Oktober 1856 genehmigt. Damit hörte Askania Nova auf, eine deutsche Kolonie zu sein. Der Sohn des alten Fein hatte die Güter des Vaters mustergültig ausgebaut. Durch viele Zukäufe von Land verschuldetere Großgrundbesitzer und Adliger konnte er seinen Besitz ständig vergrößern und als er am im Jahr 1864 starb, war er der größte Grundbesitzer in Südrußland. Da er aber 8 Enkel hatte, blieben diese Güter vorerst in der Familie zusammen. Seine Tochter Elisabeth heiratete Mitte der dreißiger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts den aus Sachsen eingewanderten Schafmeister Johann-Gottlieb Pfalz. Um den Namen fortzuführen und aus dem Umstand, daß es in der russischen Sprache kein Pf. gibt, führte das junge Ehepaar nun den Namen Falz-Fein. Noch heute leben in Deutschland und Europa deren Nachkommen. Unter den Nachkommen von Friedrich Fein wurden die einzelnen Güter aufgeteilt und Askania Nova entwickelte sich prächtig weiter. Ende der neunziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts wurden die Erzeugnisse der Falz-Feinschen Güter auf den Landwirtschaftsausstellungen Rußland stets stark beachtet. Man bezeichnete sie als die Könige der Schafzüchter Rußlands. Der Zar lobte uch die gute Qualität der Pferde, die in großer Zahl an das Militär geliefert wurden. Man begann aber nun auch neben der Zucht von Nutzvieh mit der Anlage eines Freilandzoos. Weltberühmt wurde man mit der Neu- bzw. Nachzüchtung des fast ausgestorbenen Przewalski-Pferdes. Die größte Blüte erreichte die Anlagen kurz vor dem I. Weltkrieg. Der Zar besuchte Askania Nova am 23. April 1914. Die Anlage beherrschet allein 500 000 Schafe. Der Krieg brachte erste Zerstörungen und in den Bürgerkriegswirren wechselten sich die gegnerischen Truppen ständig ab und hinterließen große Verwüstungen. Die Familie Fein-Falz floh nach Deutschland. Lediglich die alte Mutter wollte in der Heimat bleiben. Sie wurde in ihrem Schloß Preobraschenka erschossen. Friedrich von Fein starb im Alter von 57 Jahren 1920 in Bad-Kissingen und wurde in Berlin begraben. Der heute lebende direkte Nachfahre Baron Falz-Fein lebt in der Villa Askania Nova in Lichtenstein und hat ungeheure Geldmittel in die Nachforschungen über den Verbleib des Bernsteinzimmers investiert, welches er als Kind noch bewundern konnte. Leider vergebens. Bis 1940 wurde der Freilandpark wieder hergerichtet, während die Güter in Genossenschaften umgewandelt wurden. Der zweite Weltkrieg brachte wieder Zerstörung. Viele Tiere und alle wissenschaftlichen Unterlagen gingen verloren. Aber man begann wieder von vorn. 1956 wurde Askania Nova der Ukrainischen Akademie unterstellt und erhielt den Namen "Ukrainisch-Wissenschaftliches-Iwanow-Institut. In den nächsten Jahren wurde die Forschungsarbeit verstärkt. Der Park wurde auf 100 000 Hektar und der Tierpark auf 2400 Hektar vergrößert. Leider gibt es keine aktuellen Berichte aus der Ukraine. Literatur: Heiss; Das Paradies in der Steppe, Georg Bitter Verlag, 1981

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Das Land Norkitten

Fürst Leopold I. von Anhalt Dessau (1676-1747) erwarb ab 1721 die große Herrschaft Norkitten im Kreis Insterburg in Ostpreußen, die später sogenannten Dessauischen Lande. Rechtlich war dieses Gebiet nicht Eigentum des Landes Anhalt, sondern Privatbesitz des Herzoghauses. Als solches verblieb es bis 1945. Die Dessauischen Lande bestanden aus einer Vielzahl von Dörfern, Gütern und Domänen, welche zur Herrschaft Norkitten zusammengefasst waren und befanden sich auf einem schmalen Streifen westlich von Insterburg entlang dem Fluß Pregel im Norden. Für die Dessauer Lande hatten die Herzöge von Anhalt bis 1918 Sitz und Stimme im Preußischen Herrenhaus. Fürst Leopold, auch als der „Alte Dessauer“ bekannt, war ein sehr erfolgreicher Heerführer in Diensten des preußischen Königs. Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) begründete sich sein militärischer Ruhm, nachdem er vorher bereits das preußische Heer reorganisiert hatte (1698 Einführung des Gleichschritts und des eisernen Ladestockes). 1715 im Nordischen Krieg nimmt er mit seinen Truppen Stralsund und Rügen ein und wird 1720 Gouverneur von Stettin. Auf einer Reise durch Ostpreußen mit dem preußischen König bittet dieser ihn, sich des Gebietes um Insterburg anzunehmen und erhält als Dank für seine militärischen Erfolge beim Kauf auch günstige Konditionen. Es lebte in Ostpreußen unbeirrt der Glaube fort, der König habe dieses Gebiet seinem Getreuen, dem Alten Dessauer, geschenkt, damit er das Land mit seinen erfahrenen mitteldeutschen Menschen bessere. Der Kauf erfolgt auf Bitten des preußischen Königs Friedrich Wilhelm, da durch Pest und Cholera Anfang des achtzehnten Jahrhunderts die Bevölkerung im äußersten Nordosten Preußens sehr stark dezimiert wurde und viele Ortschaften fast brach lagen. Fürst Leopold, der, zahlreiche Untertanen aus seinen anhaltischen Stammlanden hergebracht hatte und fast alljährlich die Güter im Sommer besuchte, kümmerte sich dabei nicht nur um die äußeren Erfolge und Fehlschläge, sondern war bemüht, die Lebensumstände der Bauern zu bessern. Er stellte eigenhändig unter dem 24.07.1738 eine Scharwerksordnung auf. Wiederholt waren ihm Klagen über zu hartes Scharwerk zu Ohren gekommen, das er erleichtern wollte. Die Neubauten der Kirche in Norkitten 1733 und in Puschdorf 1769 unter seinem Nachfolger zielen in dieselbe Richtung. (Scharwerk= Frondienste der Bauern) Da es sich um gutes Ackerland handelte, wird die Gegend wieder belebt und eine wirtschaftliche Quelle für das Haus Anhalt in den nächsten Jahrzehnten. Durch Zukäufe entstand in wenigen Jahren ein Gebiet von über 125 km². Um 1745 ist die Wiederbesiedlung des durch die große Pest teilweise entvölkerten nördlichen Ostpreußen abgeschlossen. Ruhige Jahre für die ganze Provinz sollten folgen. Jäh wurde jedoch diese Ruhe 1757 gestört. Die große Schlacht im Schlesischen Krieg (auch 7jähriger Krieg) bei Groß Jägersdorf am 30. August 1757 ist auch an den Dörfern und Gütern nicht spurlos vorübergegangen. Nach dem Friedensschluß war Ostpreußen wieder eine längere Ruhepause gegönnt. Dann brach aber die "Franzosenzeit" an. Zwischen 1805 und 1812 kam es im Zusammenhang mit dem Russlandfeldzug Napoleons zu zahlreichen Plünderungen, Verwüstungen und Zerstörungen. Es herrschte eine unbeschreibliche Not. Erst um 1815 sind alle Schäden, die durch die Kriegsereignisse hervorgerufen waren, behoben und das Leben ging wieder seinen normalen Gang. Die Landwirtschaft und auch eine Kleinindustrie entwickelten sich gut. In den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts war durch gute Erträge durchaus ein gewisser Wohlstand in den Dörfern eingezogen. Die Herrschaft Norkitten bleibt fast unverändert bis 1944/45 Privatbesitz des Hauses Anhalt. Nach der Vertreibung aller Deutschen aus diesem Landstrich zog jedoch nur wenig Bevölkerung nach und die großen Güter wurden zu sowjetischen Kolchosen. Die Landwirtschaft kam im Grenzgebiet nicht wieder auf ihren Vorkriegsstand. Die Kolchosen zerfielen nach 1991 und so sind heute die meisten ehemals deutschen Dörfer völlig verfallen und z.T. fast nicht mehr auffindbar. Viele zerstörte Bauernhäuser wurden abgetragen, bis zum Fundament ausgegraben und die Steine für andere Bauten verwendet. Kirchen und Friedhöfe verschwanden ebenfalls zum Teil spurlos in der Landschaft. Die einst fruchtbaren Äcker versteppten und die Natur holte sich die landwirtschaftlich genutzten Flächen wieder zurück. Heute liegen diese Gebiete in der russichen Enklave Kaliningrad, welche zur Russischen Föderation gehört. Die Stadt Insterburg heißt heute Tschernjachows, welche man heute relativ problemlos besuchen kann. Reisende berichten aber aus den letzten Jahren, daß die verbliebenen Dörfern und Kleinstädten im Umland einen sehr ärmlichen und heruntergekommenen Eindruck machen. An vielen Häusern sind die Kriegsschäden wie Einschußlöcher u.ä. bis heute nicht behoben. So gibt es inzwischen wieder ein großes Gefälle zu den ehemals ostpreussischen Gebieten auf der polnischen Seite, nur wenige Kilometer weiter westlich.

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Die Herrschaft Pleß in Schlesien

Pleß, heute Pszczyna liegt im oberschlesischen Hügelland in der Niederung des Plessebaches, eines Nebenflusses der Weichsel. Die Stadt liegt 37 km südlich von Katowice. Johann von Ratibor verpfändete zwischen 1375 und 1387 das Plesser Land an Herzog Wladislaw von Oppeln. Sein Sohn Johann II., der Eiserne, übergab im Jahr 1404 Pleß, Altberun, Myslowitz sowie Nikolai und 1412 das gesamte Gebiet und die Stadt Sohrau seiner Gattin Helena, Prinzessin von Litauen. Dadurch entstand das Herzogtum Pleß. Nach vielfachem Wechsel der Besitzer, meist durch Verkauf, kam die Herrschaft 1548 an Balthasar von Promnitz, den Fürstbischof von Breslau . Der König Ferdinand I. machte es dann zum Erblehen. Das Plesser Land verblieb bis 1765 im Besitz der Familie von Promnitz und wurde seit der Mitte des 16. Jahrhundert als Standesherrschaft bezeichnet. Seit 1742 gehörte die Standesherrschaft Pleß zu Preußen und lag im Grenzgebiet zu Österreichisch Schlesien. Als Johann Erdmann Reichsgraf von Promnitz ohne Nachkommen verstorben war, ging der Besitz an seinen Neffen Friedrich Erdmann Fürst von Anhalt-Köthen-Pleß über. Lediglich die Ortschaften Jannowitz, Peterswaldau und Kreppelhof vererbte er an seinen Neffen Graf Christian Friedrich zu Stolberg-Wernigerode. Friedrich Erdmann Fürst von Anhalt-Köthen-Pleß folgte sein Sohn Friedrich Ferdinand von Anhalt-Köthen-Pleß und dessen Bruder Heinrich von Anhalt-Köthen. Als die Familie Anhalt-Köthen-Pless in Pszczyna herrschte, entwickelte sich eine rege Bautätigkeit. Neben der Vollendung der Fürstenresidenz, wurden auch die Arbeiten zur Modernisierung und Erweiterung des Parks und der, neben dem Schloss stehenden Nutzbauten, vorgenommen. In dieser Zeit entstand auch der kleine Palast in der "Ba?antarnia" (Fasanerie), das Schlösschen "Ludwikówka" (Ludwigswunsch) und das Kurbad in Czarków. In der Wirtschaft ragten die Landwirtschaft und Viehzucht hervor. Es wurden neue Methoden der Ackerbestellung u.a. Fruchtwechselwirtschaft, anstelle der veralteten Dreifelderwirtschaft eingeführt. Man bemühte sich auch um neue landwirtschaftliche Geräte zu unterbreiten, auch entwickelte sich hier der Raps- und Hopfenanbau. Zur Erhöhung der Zuchtqualität erwarb man edle Pferde-, sowie neue Rinder- und Schafsrassen. Die Plesser Pferdezucht war in ganz Europa für ihre hervorragende Pferde und war der Stolz ihrer Besitzer. Zum Ende des 18. Jahrhunderts hat die Entwicklung des Handwerks ihr Höchstniveau erreicht. Im Jahre 1787 waren in der Stadt 336 Innungsmeister tätig. Die meisten waren Tuchmacher. Eng mit der Tuchmacherei war das Handwerk der Hutmacher verbunden, welches auch sehr hoch entwickelt war. Die Hüte aus Pszczyna waren in Polen bekannt. Der wachsende Wettbewerb, hohe Zollabgaben und die im 19. Jahrhundert entstehenden Manufakturen verursachten den schrittweisen Zerfall des Handwerks, wovon auch Pszczyna betroffen war. Trotz schwieriger politischer Lage sind die Zeiten der Familie Anhalt durch ein reiches gesellschaftliches Leben gekennzeichnet. Es wurden viele Hoffeste und regionale Veranstaltungen organisiert. 1847 erbte Hans Heinrich X. Reichsgraf von Hochberg-Fürstenstein die Standesherrschaft und ließ sie 1848 zum Fürstentum erheben. Die Fürsten von Pleß aus den Hause Hochberg- Fürstenstein blieben bis 1945 Besitzer der Herrschaft. Neben der Residenz im Schloss Pleß bildete jedoch das größte Schloss Schlesiens, das Schloss Fürstenstein bei Wa?brzych den Hauptsitz dieser Familie, die von dort aus auch ihre umfangreichen Besitztümer in Niederschlesien und ihre Steinkohlenbergwerke im Waldenburger Bergland verwaltete.

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Zerbst un die Herrschaft Jever

Im Jahre 1667 hatte der Graf Anton Günther von Oldenburg die Herrschaft Jever mit der Maßgabe an seinen Neffen Johann von Anhalt-Zerbst vererbt, es fortan in männlicher und weiblicher Linie vererben zu können. Die Regierungszeit des Hauses Anhalt-Zerbst über das Jeverland war geprägt durch Droste ( ) oder Statthalter. Die Fürsten selbst weilten nur selten in Jever. Der Regierungssitz lag im fernen Zerbst. Daher sprach man in Jever auch von den „fernen Fürsten“. Eine etwas unrühmliche Rolle spielte der letzte Fürst von Anhalt-Zerbst, Fürst Friedrich August zu Anhalt-Zerbst, Graf von Askanien (1734 - 1793) Ab 1747 regierte bis zu seiner Volljährigkeit 1752 seine Mutter für ihn. Er hatte eine Vorliebe für alles Militärische. So ließ er in Jever neben einer Fayence-Manufaktur fünf Kasernen bauen. Im Jahre 1777/78 verkaufte ohne Skrupel 600 Mann (zwei Regimenter) seiner Jeveraner und Zerbster Landeskinder als Soldaten an England, das damals erstmals Krieg in seiner aufständischen Kolonie in Nordamerika führte. Es kam schon während des Transports der Soldaten nach Amerika zu großen Menschenverlusten. Auch versuchten viele Soldaten zu desertieren. Da der Fürst die meiste Zeit in Luxemburg lebte und auch dort starb, regierte er von dort Anhalt-Zerbst und Jever über Hofräte. Sein Interesse gehörte nur dem Heer und so war seine Herrschaft über die Zerbster Untertanen chaotisch, despotisch, langsam und von Unrecht überschattet. Da er ohne männliche Erben starb, erlosch die Linie Anhalt-Zerbst. Die Herrschaft Jever erbte 1793 seine Schwester, die Zarin Katharina II. von Rußland. Die Erbherrschaft Jever fiel als Kunkellehen, d.h. als auch in weiblicher Linie vererbbares Lehen, an die mittlerweile als russische Zarin Katharina II. regierende Zerbster Prinzessin Sophie Auguste. Diese ließ es von der Witwe Friedrich Augusts, Friederike Auguste Sophie verwalten. Das Jeverland war kein Territorium Rußlands, sondern nur in Personalunion verbunden. Die Zarin Katharina II. hatte damit aber Sitz und Stimme im Deutschen Bund. Sie setzte Friederike Auguste Sophie, als "kaiserlich russische Statthalterin" ein, die die Regierung der Erbherrschaft bis 1806 weiterführte. Das übrige Territorium des Fürstentums Anhalt-Zerbst wurde 1797 im Rahmen der Zerbster Teilung auf die anderen drei Anhaltischen Fürstenhäuser aufgeteilt. Nach einer kurzen Besetzungszeit durch die Niederland 1806 blieb Jever bis zur Besetzung durch französische Truppen im Jahre 1807 ein Teil Russlands und geriet dann unter napoleonischer Herrschaft, die bis 1813 dauerte. Anschließend kehrte Jever in den Besitz der russischen Krone zurück und wurde 1818 endgültig an Oldenburg abgetreten.

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